FV Bad Rotenfels 1913 e.V.

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FVR-Chronik von 1907 - 1945

1907: Rotenfels geht als erste Gemeinde des Murgtals in die Fußballgeschichte ein

Als im Jahre 1900 der Deutsche Fußballbund gegründet wurde, traten ihm etwa 90 Vereine mit rund 3500 Mitgliedern bei. Dabei waren städtische Vereine in der Mehrheit, weil man der neuen Sportart in den Städten aufgeschlossener gegenüberstand und sich die Vereine in ländlicher Gegend nur sehr mühsam etablieren und behaupten konnten. Trotzdem stand in Rotenfels bereits im Jahre 1907 die Wiege eines Fußballvereins, in dem sich überörtlich fußballbegeisterte Menschen aus Gaggenau, Kuppenheim und Rotenfels zusammenschlossen. Diese ersten Fußballpioniere des Murgtals sollen den Überlieferungen zufolge „einen guten Fußball“ gespielt haben und im „Badischen“ gut bekannt gewesen sein. Man spielte auf einer Wiese, die etwa dort lag, wo sich später das Bad Rotenfelser Freibad befand. Erst einige Jahre später wurden in den einzelnen Gemeinden selbstständige Vereine gegründet, so dass der überörtliche Rotenfelser Fußballclub aufgelöst wurde.


1913: Gründung des Fußballvereins Victoria Rotenfels

Die Fußballbegeisterten hatten es zunächst recht schwer, ihrem Hobby zu frönen, da der überwiegende Teil der Bevölkerung dem Fußballsport ablehnend gegenüberstand.

Gründungsmannschaft von 1913 vor dem Rotenfelser Schloss auf der Schlosswiese

Einer der Hauptgründe für die Ablehnung war die Sportkleidung, die nach damaliger Ansicht mehr zeigte, als es der Anstand erlaubte. Da aber die Jugend auch schon vor 100 Jahren ihre eigenen Ansichten hatte und diese auch durchsetzte, kam es 1913 zur Vereinsgründung. Die Vereinsfarben der Gründungsmannschaft waren blau/grün. Als Beitrittsbetrag wurde einmalig eine Reichsmark und als monatlicher Mitgliedsbeitrag 30 Pfennig beschlossen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Fritz Knörr gewählt, weitere Gründungsmitglieder waren Leopold Riedinger, Otto Mack, Emil Wüstel, Franz Greiser, Ernst Eisele, Bernhard Bischke, Josef Schaaf, Karl Hirth, Friedrich Grotz, Josef Gräßle und August Jülg.


1913: Spielfeld steht erst nach der Heuernte zur Verfügung

Die größten Schwierigkeiten für den jungen Verein ergaben sich durch die Sportplatzfrage. Da kein fester Standort zu bekommen war, wurde teilweise auf dem Murgvorland oberhalb des Friedhofes und teilweise auf der Schlosswiese zwischen dem heutigen Standort und dem Schloss Rotenfels gespielt. Bei den Spielen und beim Training musste berücksichtigt werden, dass das Spielfeld erst nach der Heuernte zur Verfügung stand. Dieser Zustand wurde erst verbessert, als der Brauereibesitzer Franz Anton Roth nach langen Verhandlungen eine Wiese im Gewann Klingelwörth zur Verfügung stellte. Damit konnte der Spielbetrieb ganzjährig durchgeführt werden. Ab sofort war es möglich, dass die Tore fest installiert wurden und nicht mehr wie bisher provisorisch vor dem Spiel auf- und nach dem Spiel abgebaut werden mussten.


1914: Der Erste Weltkrieg: Spieler werden zum Kriegsdienst eingezogen

Als alles - ohne behördliche Unterstützung - soweit gediehen war, dass ein geregelter Spielbetrieb durchgeführt werden konnte, machte der erste Weltkrieg einen Strich durch die Rechnung. Der Verein trat kurz zuvor dem Mittelbadischen Fußballverband bei. Doch dieser zerfiel durch Unstimmigkeiten recht bald. Laut Protokoll von Emil Wüstel kam es am 9. Juli 1914 durch den Verwaltungsrat zum letzten Beschluss, dem Süddeutschen Fußballverband beizutreten. Ein weiterer Spielbetrieb war nicht mehr möglich, weil alle jungen Spieler zum Kriegsdienst eingezogen wurden.


1919: In der ersten Versammlung nach dem Krieg treffen sich 11 Mitglieder – 16 waren im Krieg gefallen

Nach Kriegsende im Jahre 1918 musste man die traurige Bilanz ziehen, dass 16 Vereinskameraden gefallen waren. Dadurch konnte erst 1919 das Vereinsleben wieder aktiviert werden. Am 5. Juni 1919 traten Vereinsvertreter zusammen, welche die Weiterführung des Vereins beschlossen. Vorstand wurde der Hauptlehrer Wilhelm Fehrenbach. Bei der historischen Sitzung waren 30 Mitglieder anwesend.


1919: Drei aktive Mannschaften und 150 Mitglieder

Sehr bald wuchs der Verein auf 150 Mitglieder an. Drei Mannschaften und eine Alt-Herrenmannschaft konnten zu dem regulären Spielbetrieb gestellt werden. Der Verein trug jetzt den Namen "Fußballverein Rotenfels 1913", den er bis zum heutigen Tage behalten hat. 1920 wurde Josef Guhl zum Vorsitzenden gewählt. Mit ihm hatte der Verein einen Mann gefunden, der für die Entwicklung des Vereinsgeschehens von unschätzbarem Wert war. Er war bis 1926 und nochmals von 1931 bis 1935 der erste Mann im Verein. Aufgrund seiner außerordentlichen Verdienste wurde er zum Ehrenvorsitzenden gewählt. In dieser Eigenschaft hat er in vielen kritischen Situationen des Vereins helfend eingegriffen.


1. Mannschaft von 1923

Oben von links: Karl Stößer (Schiri FVR), Josef Becher, Karl Greiser, Franz Fütterer, Josef Wunsch, Franz Knörr, Stefan Fütterer (2. Vorsitzender)

Unten von links: Otto Schemel, Emil Schmitt, Simon Kretz, Fritz Fütterer, Dominik Rieger, Hermann Gräßle

In dieser Zeit mussten jedes Frühjahr große Anstrengungen unternommen werden, um die Schäden des alljährlichen Hochwassers zu beseitigen. Der erste große sportliche Erfolg wurde im Jahre 1924 mit dem Aufstieg in die A-Klasse(heutige Bezirksklasse) gefeiert. Dies wurde unter dem Spielausschussvorsitzenden Josef Becherer erreicht.


1925: Erstes Clubhaus von Benz AG gekauft

Inzwischen machte man sich Gedanken, wie Umkleidekabinen erstellt werden könnten. So beschloss man im Jahre 1925 die Erstellung eines Clubhauses, ohne allerdings zu wissen, wie dies finanziert werden konnte. Da kam dem Fußballverein der Zufall zur Hilfe. Die Daimler-Benz AG hatte just zu dieser Zeit eine kleine Halle zum Abbruch zu verkaufen, die geeignet erschien, als Clubhaus zu dienen. Die Vorstandschaft beschloss, Darlehensscheine auszugeben. Und in der Tat erwarben so viele Mitglieder und Freunde des Fußballsports diese Scheine, dass die Halle gekauft werden konnte. Sie wurde in freiwilliger Arbeit umgebaut und renoviert.


1926: Clubhaus auf Stelzen!


Am 30. Mai 1926 konnte das Clubhaus seiner Bestimmung übergeben werden. In Anbetracht der alljährlichen Hochwasser war es auf ca. einen Meter hohe Stelzen gesetzt worden. Mit der Fertigstellung des Clubhauses kam es zu einem Führungswechsel. Die Vereinsführung übernahm nun bis 1928 Franz Greiser. Als Nachfolger kam dann Hermann Krell an die Spitze des Vereins, den er bis 1931 leitete. Leider fehlen uns die Unterlagen, aus denen wir die Arbeit der Vorsitzenden Franz Greiser und Hermann Krell nachvollziehen könnten. 1931 war es dann wieder Josef Guhl, der die Vorstandschaft bis zu Beginn des Dritten Reiches innehatte.

Torbau 1926; im Hintergrund die Kirche St. Laurentius

In den Jahren bis zum 25. Stiftungsfest 1938 waren Eugen Greiser, Robert Klumpp und Anton Kaiser die Vereinsvorstände. Das erste Clubhaus leistete dem FVR bis zum Jahre 1958 (Bau der Umgehungsstraße) gute Dienste. Bei schlechtem Wetter wurde es sogar als Trainingshalle benutzt.


Leistete von 1926 - 1958 für den FVR gute Dienste: Das erste Clubhaus


1940: Der Zweite Weltkrieg beendet wiederum jede Vereinstätigkeit

1. Mannschaft 1936

Kaum war das 25. Stiftungsfest 1938 gefeiert, wurde die politische Situation in Deutschland immer unsicherer. Bis August 1940 konnte die 1. Mannschaft noch spielen, die Jugend bis 1941. Verschiedene Spieler der 1. Mannschaft, die noch nicht eingezogen waren, halfen in Ottenau und Gaggenau im dortigen Spielbetrieb aus, bis auch dort alle Fußballtätigkeit erlahmte. Nach dem Kriegsende im Jahre 1945 wurde das gesamte Vereinsvermögen von der Besatzungsmacht beschlagnahmt.

 

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